Montag, 30. Juli 2012

"Gestochen scharf"

Es ist ja allgemein bekannt, dass ich eher ein Bewegungsmuffel bin. Lieber sitze ich den ganzen Tag vorm PC und lese Wikipedia-Artikel (bin übrigens schon zur Hälfte durch) als mich sinnlos wie ein Kleinkrimineller auf der Straße rumzudrücken. Schön was das Internet aus unserer Gesellschaft und mir gemacht hat. Weiter so!

Nun da ich aber schon seit geraumer Zeit mit einem Bandscheibenvorfall im Krankenhaus liege und nicht weg kann, sehne ich mich nach "draußen".
"Sie sollten das Krankenhaus nicht verlassen, dann sind sie nimmer versichert."
Papperlapapp. Wenn ich raus will, geh ich raus. Aber hier gibts ja leider nix zu sehen. Ich kenne doch schon alles. Oberwesel ist jetzt auch nicht unbedingt der Nabel der Welt.
Zugegeben für meinen hessischen Zimmernachbarn ist es das Größte. Er hat keine Ahnung wie Wein angebaut wird (Müsse die Traube immer am Hang wachse?) und ehrlich gesagt ist er schon seit 2 Tagen ziemlich fasziniert von der Zoomfunktion seiner Digitalkamera. Da die Bilder ja gestochen scharf sind. Gestochen scharf sieht für mich zwar anders aus, aber ich lasse ihm das bisschen Freude, dass er hier hat. Denn es gibt da ein großes Problem in dieser Klinik! Ein Problem, das mehrmals täglich von ihm angesprochen und angeprangert wird:
Die TV Nutzung kostet hier täglich 3 €!!!
Mich juckt das ehrlich gesagt nicht die Bohne, da es hier W-Lan für nen 10er die Woche gibt und das für mich noch okay ist. Aber mein hessischer Freund kann diese Frechheit gar nicht nachvollziehen. Da fallen schon mal Sätze wie:
"Das hab ich in noch keiner Klinik erlebt!" und (mein persönlicher Favorit)
"Fernsehen ist Grundrecht!"
Armer Kerl, ohne Frauentausch ist das Leben einfach nicht lebenswert.
Wenn ich also mal keine Spritze in den Rücken kriege, oder mir mit irgendwelchen Anwendungen die Zeit vertreiben muss, sitze ich vorm PC oder lese ein Buch.
Und wir wissen alle, welche Aussage von Menschen wie ihm fallen, wenn jemand nebenan am PC sitzt:
"Gucksche widder Pornos!"
Genau...  Ich gucke Pornos. Den ganzen lieben langen Tag. Ich kann mir nämlich nichts schöneres vorstellen, als mir im Krankenbett einen von der Palme zu wedeln, während mein 41-jähriger Freund, der Digitalkameraexperte, neben mir liegt. Er könnte ja mal ein Buch lesen, aber dazu hat er keine Lust. Früher hat er "viel" gelesen, heute nimmer. Dafür hat er einfach seit Jahren keine Zeit mehr.
Was will ich eigentlich erwarten? Nach eigener Aussage hat er seine Freundin übers Internet kennengelernt. Da er täglich mehrere Stunden mit ihr telefoniert (Telefonflatrate 15 € die Woche. Das wars dann wieder wert...), kenne ich nun auch jedes noch so kleine, pikante Detail ihrer Beziehung. War ich je überzeugter Single? Jetzt bin ichs!

Genug davon. Die näxte Anwendung ruft. Was ist eigentlich progressive Muskelentspannung? Naja, ich werds gleich erfahren. Bleibt nur zu hoffen, dass ich nicht mehr all zu lange hier bleiben muss und möglichst ohne Operation bald nach Hause kann.

Freitag, 27. Juli 2012

Unterführungen sind mir zu hoch

Nach einer eher unangenehm humpelnd ablaufenden Woche, ist es nun geschehen:
Meine Bandscheibenprobleme haben mich ins Krankenhaus gebracht. Genaugenommen in ein spezielles Krankenhaus für diese Art Probleme in Oberwesel (Grüße gehen raus an Simon!), ca. eine halbe Stunde von meinem Heimatort Bingen entfernt.
Schön ist es hier ja schon irgendwie. Die Aussicht auf Burgen und Rhein ist für mich zwar auch nix Neues, aber immerhin gewohnt.

Eigentlich gibt es nichts zu berichten. Da es sich um einen schweren Bandscheibenvorfall handelt, werde ich wohl die näxten 2 Wochen Anwendungen und Spritzen über mich ergehen lassen und anschließend in Reha gehen müssen. Uuuuuuhhhh, wie ich mich darauf freue. Ich als Mensch, der selbst zum Notdurft verrichten nach Hause rennt... Schlimmer ist nur, dass ich deswegen wohl nicht zur Gamescom kann. Hmmpf...

Das schönste (und bisher einzig interessante) Erlebnis war bisher die gestrige Taxifahrt von Oberwesel nach Koblenz zum MRT.
Der Taxifahrer, seineszeichens Frührentner, hat seitdem er beim Bau mal 8 Meter gestürzt ist konstant Probleme mit Bandscheiben und Knochen und ist daher mit meinem Problem vertraut. Er ist wohl der gechillteste Taxifahrer den ich je gesehen hab. Hat mir erzählt, dass er in ner 60 Zone mal 160 gefahren ist und wegen ein paar anderen Vergehen hat er mittlerweile schon 12 Punkte in Flensburg. Über einen Verlust seines Führerscheins macht er sich keine Gedanken. Wenns so weit kommt, nimmt er sich einfach Urlaub beim Chef der Taxizentrale (seiner Frau).
So fuhren wir gestern zu bester Chartmusik Richtung Koblenz und er erzählte mir, welche Unterführungen zwischen Oberwesel und Koblenz er gebaut hat (Bauleitung). Nach ca. 10 Minuten war allerdings schon klar: Er hat ALLE Unterführungen gebaut.
Bauen ist für mich irgendwie gleichbedeutend mit Stapeln, oder so. Aber wie macht man sonst ne Unterführung? Unterlegt man die? Und wie konnte er beim Unterführung bauen 8 Meter stürzen, die sind doch schon ziemlich weit unten und auch nicht so hoch?

In Koblenz angekommen gings Zickzack ins MRT und wer auf Skrillex steht, dem wirds da drin gefallen. Der Sound da drin ist einmalig. Nach knapp 15 Minuten gings wieder raus aus dem MRT und rein ins Taxi.
Auf der Rückfahrt hat mir mein netter Taxifahrer dann erzählt, dass er 7 Jahre in Valencia gearbeitet hat (wahrscheinlich an allen Unterführungen der Stadt...) und dankbarerweise ging die Fahrt aufgrund nachlassenden Feierabendverkehrs schnell vorbei und ich konnte mich auf mein bequemes, ruhiges 3-Bett-Zimmer freuen.

Apropos ruhig. Einer meiner Zimmernachbarn ist Hesse. Nuff said?

Dienstag, 24. Juli 2012

Der Traum vom Liegen

Ich war einmal ein großer Fan des Spruches:
"Probleme mit der Wade, sind die einzigen Probleme vor denen man nicht weglaufen kann."

Im Laufe der letzten Woche musste ich traurigerweise feststellen, dass das nicht ganz richtig ist. Das Weglaufen vor Bandscheibenproblemen ist nämlich mindestens genauso unmöglich. Jedenfalls ist mir die Flucht bisher nicht gelungen.

Seitdem liege ich nun krankgeschrieben zuhause rum. Weiß nicht so Recht, was ich mit mir anfangen soll und bin langsam von DC Universe Online genervt. Alles was mir bleibt, ist das Anschauen von Qualitätstalkshows wie Annica Hansen (nach 2 Wochen abgesetzt) und das Essen von ungesunden Lebensmitteln, die schon seit Ewigkeiten im Schrank darauf warten, endlich verspeist zu werden (Ist Rost auf der Dose ein Anzeichen dafür, dass die Pfirsiche darin schlecht sind?) 

Das Kortison, welches mir zu regelmäßigen Fressattacken verhilft und ansonsten nach längerer Einnahme zu einem "Mondgesicht" führen soll, macht mich auch nicht unbedingt zuversichtlich. Die Schmerzen in meinem rechten Bein klingen zwar ab, aber ich erinnere mich selbst, alleine von der Laune her an Gregory House. Über mein Humpeln will ich da gar nicht erst sprechen.
König Alkohol ist aufgrund des Kortisons natürlich auch ein Tabu. Da steigt doch die Stimmung.

Ich stelle mir das schon ganz schön toll vor. Man sieht mich ein paar Wochen nicht und "BÄM" da ist er der neue verbesserte Pater. 20 Kilo schwerer, ein Kopf so groß wie der von Mr. Mackey, aber dafür kann er problemfrei laufen. Ein Traum... Aaaarggghh...

Montag, 16. Juli 2012

Spitznamen

"Haste gesehn wie der Flapsi am BOAF mit den 2 Blondinen abgedampft is?"
Nein, habe ich nicht. Und who the fuck is "Flapsi"?

Womit wir auch schon gleich beim Thema wären: Spitznamen.
Irgendwie hat fast jeder einen, keiner weiß genau warum, aber immer sollen sie lustig klingen.
Der Ursprung von Namen wie Sippse, Schnöff oder Wurtsch sind meist durch den Nachnamen bedingt. Sippse heißt eigentlich Günter Siepmann, Schnöff eigenltich Dieter Schnöffelheim, etc... Am Stammtisch erreichen Gespräche ein ganz neues Niveau, wenn man nur noch die Spitznamen der betroffenen Personen nennt.
"Seit Jahren fahren die Zusammen in Urlaub, obwohl Sippse was mit Schnöffs Frau hatte, aber die is ja jetzt mit "dem Chinesen" zusammen..." Zu bemerken ist hier "der Chinese" stammt eigentlich auch nur ausm Taunus.

Geheime Spitznamen mit ironischem Hintergrund sind auch häufig anzutreffen, hier liegen die Wurzeln in Dingen die betreffende Person ausmachen, oder gerade eben nicht.
Da gibt es zum Beispiel den Glatzkopf, der von allen nur Locke genannt wird. Locke selbst ahnt natürlich zu keinem Zeitpunkt, dass er gemeint ist, wenn alle von Locke sprechen. Außerdem käme auch kein Mensch, mit leichter Fehlstellung der Beine darauf, dass sein heimlicher Beiname Wiesel ist. Ist man aufgrund familiärer Umstände jünger als der Neffe, hat man schnell den Namen Onkel weg. Menschen die stark stottern (Quassel), Frauen die den weltlichen Freuden durchaus zugetan sind (Nympho-Uschi), oder der ehrenwerte Beruf des Bestatters (Leiche) sind von Häme am Stammtisch auch nicht ausgeschlossen.
Manchmal muss selbst ich mir das Lachen verkneifen, wenn die Oma, die nach eigener Aussage ja fast gar nichts mehr sieht (die Blinde), sich im Zeitschriftenfachhandel/Tabakladen/Lottoannahmestelle/Bäcker/Friseur (ja, bei uns auf dem Land gibts sowas!) nach ihrem heruntergefallenen Geld bückt. Die Blinde findet ihr 50 Cent-Stück schneller, als es jeder Teenager mit Adleraugen könnte. Wieso kauft eine blinde alte Dame eigentlich die Gala? Verzweiflung oder Voraussetzung?

Mich interessiert jedenfalls nur eins:
Wo ist Flapsi abgeblieben? Nach dem BOAF hat ihn keiner mehr gesehen.

Flapsi, bitte melde dich!

Montag, 9. Juli 2012

BOAF 2012

Ja, das BOAF. BOAF ist übrigens nicht das Geräusch, das ich am Mittwoch beim Erbrechen gemacht habe, sondern der Name eines komplett ehrenamtlich organisierten Festivals in Bingen. Oder einfach Binger Open Air Festival.

Dieses Jahr jährte sich diese Festivität zum 24ten mal. Ich für meinen Teil hatte, zusammen mit meinem Fuckbuddy Tom, die ehrenvolle Aufgabe des Moderators übernommen. Wer mich kennt weiß, dass ich als unehelicher Sohn von Rudi Carrell und Courtney Love dafür geradezu prädestiniert bin.

Da ich bereits 2010 derartig schlecht war, wurde mir das moderieren vorerst untersagt. Nun kam aber Tom und fragte mich, ob ich mit ihm das Ansagen beim BOAF übernehmen will. Da konnte ich doch nicht nein sagen!
Also bereitete ich mich vor und war mir sicher, dass meine vorbereiteten Dokumente mich sicher durch das Festival geleiten werden. Wohlgemerkt bestanden meine Dokumente aus zwei, mit nicht gerade hilfreichen Stichworten beschriebenen DIN-A4 Seiten, in einem ansonsten unbeschriebenen Block.

Zu meinem großen Erstaunen, verlief das ganze relativ problemlos. Ich habe mir schlechte Witze verkniffen, versuchte sachlich zu bleiben und Tom hat für gute Stimmung gesorgt. Das kann er auf jeden Fall wesentlich besser als ich...

Hätte er zum Warm-Up nicht um 21.30 Uhr betrunken im Zelt geschlafen, hätte ich mir wahrscheinlich auch die abschließende Ansage "Zum Glück schläft Tom mit offenem Mund, sonst hätte ich dieses Wochenende wohl gar keinen Sex" verkniffen. Dann wäre das ganze jedenfalls seriöser rübergekommen.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass ich jederzeit bereit bin, wieder etwas mit Tom zu moderieren (Hochzeiten, Taufen, Trauerfeiern, etc...) und das für Tom in der Kathedrale meines Herzens immer eine Kerze brennen wird.

Peace Out
Ihr/Euer Pater O.