Dienstag, 12. Juni 2012

Meine Oma, mein Auto und ich

Letzte Woche bin ich mit meiner geliebten Oma einkaufen gefahren. Da sie nicht in der Nähe eines Supermarktes wohnt, ist das ein Dienst, den ich für sie gerne verrichte. Zwar möchte sie mir für ca. 5 gefahrene Kilometer 20 € Spritgeld geben ("Die Spritpreise sind doch so hochgegangen."), allerdings lehne ich diese immer dankend ab.
Sie ist eine gute Oma. Sie hat sich daran gewöhnt, dass ich hässliche Klamotten und abstoßenden Schmuck trage, aber an eines wird sie sich nie gewöhnen:
Mein unaufgeräumtes Auto!
Es ist ja nicht so, dass ich es verwahrlosen lasse, aber es ist für mich nunmal eher Mittel zum Zweck. Als Schwanzverlängerung (z. B. Porsche, Ferrari...) ist es eh nicht geeignet, da es sich bei meinem Auto um einen Opel Kadett handelt. Allerdings könnte ich mir vorstellen mir irgendwann mal einen SUV (= Schwanz-Ultra-Verlängerung) zu kaufen, aber das soll hier nicht Thema sein...

"Räum doch mal auf! Hier siehts ja aus, wie bei deinem Onkel. Sein Auto ist genauso dreckig!"
Naja, immerhin scheine ich nicht das einzige schwarze Schaf in der Familie zu sein, von dessen Rückbank Antonia Rados demnächst wohl einen Krisenbericht sendet.
Als guter Enkel fühlte ich mich trotzdem dazu verpflichtet etwas für den Seelenfrieden meiner Oma zu tun.
Also... Ärmel hochgekrempelt und aufgeräumt! Zunächst einmal fand ich ein Duftbäumchen von Nivea-Sun, dass ich irgendwann einmal von besagtem Onkel geschenkt bekam. Freudig wurde dieses aufgehängt (Was ich aufhänge, muss ich nicht wegwerfen).
Außerdem fand ich noch diverse, andere interessante Dinge, z. B.
- 17 Visitenkarten von dubiosen Autoankäufern
- einen drei Jahre vermissten Totenkopfring
- ein Hawaiihemd
- eine Theaterkarte
- einen menschlichen Finger
Ich kann mir übrigens beim besten Willen nicht erklären, wie eine Theaterkarte in mein Auto kommt.
Nach einiger Zeit, war die Arbeit getan und mein Auto sah "akzeptabel" aus, Oma wird sich freuen.

Eine Woche später...

Mein Auto ist wieder Schauplatz des Verbrechens, überall Müll und leere Pfandflaschen, dazu kommt ein Akkuschrauber im Fußbereich des Beifahrersitzes und eine undefinierbare Masse, die mal ein halbes Pfund Butter war (an der Verpackung zu erkennen). Der einzige Unterschied zu vorher, ist der Geruch vom Frankreichurlaub 2011, an dem ich unter so starken Sonnenbrand litt, dass Sonnencreme und After-Sun-Mist meine täglichen Begleiter waren... FUCK YOU, NIVEA-SUN-DUFTBÄUMCHEN!

Mein Fazit: Auto aufräumen kann ich zwar, aber sauberhalten überlasse ich lieber den anderen (z. B. Spiessern, Deutschlehrern, James Last Fans, etc...).

Sonntag, 3. Juni 2012

Zur Liege der Nation

Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in familiären Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Urlaubende
wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf Sonnenbrand,
der das von einem anderen Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Bräunen gelenkte
Plätzchen an der Sonne okkupieren könnte,
weil in dessen Sonnenbereich die Lage
der perfekt platzierten Liege vermutet wird.

Doch warum untersage ich mir,
die Namen der Hotels und Strandbars zu nennen,
in denen seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsendes Hautkrebspotential droht
und außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?

Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er mißachtet wird;
das Verdikt "Handtuch auf Liege = belegt" ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres Handtuch auf der Liege platziert werden soll
sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
den bräunenden anderer Länder, denen ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst,
ziemlich jung und großkotzig:
Die Liege der Nation gefährdet
nicht nur Deutschland, sondern die
ganze sonnenbadende Welt.
Weil gesagt werden muß,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Liegenbelegung zu einem Verbrechen machen,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.

Nur so ist allen, den Urlaubern und Hotelbetreibern
mehr noch, allen Menschen, die in diesen
vom Wahn okkupierten, oftmals karibischen Regionen,
dicht bei dicht sonnenbadend leben
und letztlich auch uns zu helfen.



Was sagst du jetzt Günter Grass? Ich kann auch Gedichte schreiben (oder nahezu komplett kopieren...), die sich nicht reimen!